Weihnachten

Die Bräuche um Advent und Weihnachten schlossen den Jahresfestkreis ab.
Die Adventszeit galt als Vorbereitungszeit für Weihnachten. Fast jede Familie
fertigte einen Adventskranz mit vier Kerzen an. Es begann eine stille, ruhige Zeit,
eine Zeit der inneren Einkehr, in der Geschenke für die Liebsten hergestellt wurden.
In diese Zeit fiel auch der Nikolaustag (6. Dezember).
Schon am Vorabend putzten die Kinder ihre Schuhe schön sauber und stellten sie aufs Fenster,
um sie dann am Morgen gefüllt mit Süßigkeiten vorzufinden.
Nicht selten lag auch eine Rute daneben. Den Nikolaus aber bekam niemand zu sehen.

Mit Beginn der Adventszeit ging es auch in der Schule vorweihnachtlich zu. Es wurden
Gedichte und Weihnachtslieder, oder auch das Krippenspiel einstudiert.
In den Jahren des Kommunismus wurden Gedichte und Lieder unter der Anleitung des
Pfarrers in der „Lehre" (Konfirmandenunterricht) vorbereitet.
Am Sonntagnachmittag kamen die Frauen des Ausschusses des Frauenvereins und
nach 1945 die des Presbyteriums auf dem Pfarrhof zusammen, um die
Weihnachtskuchen zu backen. Die Zutaten waren am Vortag bei den Müttern der Kinder
gesammelt worden. Früher wurden diese Kuchen auf dem Mediascher Jahrmarkt gekauft.
In dieser Zeit wurde auch zu Hause viel gebacken. Begonnen wurde mit den Keksen und
kurz vor Weihnachten wurde dann in jedem Haus der Backofen geheizt und Hanklich und
Striezel gebacken.
Die Adjuvanten kamen zusammen und probten „Stille Nacht..." und das „Puer Natus",
Stücke, die sie in der Heiligen Nacht um 12 Uhr vom Turm bliesen.

Endlich war Heilig Abend.
An diesem Tag versorgte man das Vieh etwas früher als sonst, um rechtzeitig fertig zu sein.
Wenn dann 17 Uhr 30 die Vorglocke erklang, machte sich die ganze Familie zur Kirche auf.
An diesem Abend war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Viele waren kurz vorher
noch auf dem Friedhof, um hier eine Kerze anzuzünden oder ein kleines Christbäumchen aufzustellen.
Der gesamte Kirchenraum erstrahlte im Kerzenlicht. Wenn dann 18 Uhr die Glocken zur
Weihnachtsfeier riefen, strömten von allen Seiten Jung und Alt ins Gotteshaus.
Blickfang war an diesem Abend der geschmückte Weihnachtsbaum der im Chor aufgestellt war.
Die Kerzen des Baumes wurden von den beiden Kirchenvätern angezündet.
Mit langen Stangen, an deren Spitze eine Kerze befestigt war, gingen sie bedächtig
um den Baum, während die Gottesdienstbesucher von einer festlichen Stimmung erfasst wurden.
Unter dem Weihnachtsbaum befanden sich die Körbe mit den Äpfeln. Kuchen, Heften und Bleistiften,
welche die Kinder als Bescherung erhalten sollten.

Es erklangen die herrlichen Weihnachtslieder:
Oh du fröhliche, oh du selige...", oder „Ihr Kinderlein kommet...".
Zwischendurch wurden von den Kindern Gedichte aufgesagt. Der Höhepunkt war die Weihnachtsgeschichte,
vorgetragen von zwei Konfirmanden. Auch der Kirchenchor umrahmte den Gottesdienst mit einem Weihnachtslied.
Zum Abschluß der Weihnachtsfeier sang die ganze Gemeinde „Stille Nacht, heilige Nacht...".
Dann erfolgte die von den Kindern langersehnte Bescherung. Verschiedene verzierte Lebkuchen,
Bonbons und allerlei leckere Sachen waren in eine Tüte gepackt worden in welche auch ein Taschentuch
eingebunden war. Aus einem Korb bekam jedes Kind auch noch ein paar Äpfel dazu. Auch die Kleinsten
gingen mit ihren Müttern unter den Weihnachtsbaum um sich ihre Geschenke abzuholen.
Wie strahlten die Kinder mit ihren Päckchen in ihren Händchen.

Nach der Bescherung eilte man nach Hause, um die Kerzen am eigenen Baum anzuzünden.
In Familien mit kleinen Kindern kam der Weihnachtsmann, hörte sich die von den Kindern vorgetragenen
Gedichte oder auch ein Gebet an und ermahnte dann die Kinder, in Zukunft brav zu sein, was die Kinder
auch versprachen. Sie wurden dann vom Weihnachtsmann beschenkt.

Nach der kleinen Familienfeier bereitete man sich auf die „Chrästnoucht" (Christnacht) vor.
Die größeren Schulkinder feierten im Hause eines ihrer Kollegen. Die Jugend wiederum feierte gesondert
und die Eltern trafen sich bei Verwandten. Die Adjuvanten trafen sich entweder im Adjuvantenzimmer,
in der Schule oder auf dem Pfarrhof und feierten gemeinsam mit ihren Frauen bis kurz vor 12 Uhr.
Dann stiegen sie mit der Laterne oder später mit Taschenlampen auf den Turm,
um „Stille Nacht, heilige Nacht..." und das „Puer Natus in Bethlehem" (Ein Kind geboren zu Bethlehem) zu blasen. Anschließend wurde mit allen Glocken geläutet, was diesmal die Adjuvanten besorgten. Groß und Klein
war zu dieser Zeit auf der Straße, um den Klängen der Instrumente und dem Glockengeläut zu lauschen.

Nach Weihnachten und bis zum Heiligen Dreikönigstag gab es die 12 Lostage.
Der Reihe nach je einen Tag für einen Monat des neuen Jahres. Nicht wenige schrieben sich das Wetter
des betreffenden Tages auf und so sollte dann der betreffende Monat sein (trocken, nass, schön usw.).
Also, so wie das Wetter am 26. Dezember war, so sollte auch der Januar sein, der 27. Dezember loste
auf Februar, usw.
In der Woche von Weihnachten bis Neujahr wurde in Almen der Wein abgezogen. Er war nun schön klar
und musste vom Satz (Leijer) abgezogen werden. Immer wieder hörte man im Dorf das Klopfen an den Stopfen.

Aus dem Almer Heimatbuch
von Mathias Pelger

(798 Wörter in diesem Text)
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