Dorfbälle

Dorfbaelle

Dorfbälle

Höhepunkte im Dorfleben waren die Tanzunterhaltungen für die Jugendlichen und für die Verheirateten,
die hauptsächlich in den Wintermonaten abgehalten wurden, wenn die Arbeit auf dem Feld ruhte.
Der erste Ball der vor Wintereinbruch stattfand, war früher der Rekrutenball und wurde von den
"gemusterten" Burschen ausgerichtet, die dann für zwei Jahre zum Militär einzogen wurden.
Es folgte der Katharinenball, der von den Mädchen ausgerichtet wurde und als geschlossener Ball
ausgerichtet wurde, d.h. der Tanz verlief im Rahmen des "Zugangs", der diesmal nur 12 Uhr nachts
geschlossen wurde. Es mussten die strengen Regeln der Schwester- und Bruderschaft eingehalten werden.
Bis 12 Uhr forderten die Mädchen zum Tanz auf.

Der nächste Jugendball war der Faschingsball, den die Burschen ausrichteten. Die Mädchen wurden von
den zwei "Eirtenkneichten" zum Tanze eingeladen. Am Morgen nach dem Tanz wurden sie von der Bruderschaft
geweckt, wobei jeder Bursche, wie schon erwähnt, ein Sträußchen erhielt.
Im Februar gab es den Faschingsball der Verheirateten, der anfangs nachbarschaftsweise im Hause des
Nachbarvaters und nach 1960 im Gemeindesaal abgehalten wurde.
Früher fand in den Wintermonaten auch der sogenannte "Fraveriensball" (Frauen-vereinsball) statt, den der
Vorstand des evangelischen Frauenvereins veranstaltete. Der nächste geschlossene Jugendball war der am
Peter- und Paulstag auf dem "Kircherech" (Kirchberg). Veranstaltet wurde er von der Schwesternschaft,
die bis 12 Uhr, bis der Zugang geschlossen wurde, zum Tanze aufforderte. Außerdem durfte bis 16 Uhr nur
Walzer und Polka getanzt werden.

Wenn sich Burschen fanden, die außer den genannten Bällen eine Tanzunterhaltung veranstalten wollten,
so konnten sie das tun und zwar zu Neujahr, am zweiten Ostertag, am zweiten Pfingsttag und am Martinstag (11. November).
Während der Tanzunterhaltung, auf der alle Jugendlichen in Tracht erschienen, die Mädchen ganz in Weiß
und die Jungen mit weißem Hemd und Stiefelhosen, später die Mädchen in der "Blauen Tracht" und die
Burschen mit dem gestickten Hemd, der gestickten Krawatte und dem bunten Hosenriemen(Gürtel),
wurden in den Pausen Lieder gesungen. Man ging Arm in Arm zu dritt oder zu viert im Saal herum,
stellte sich auch im Kreise auf und organisierte Singspiele wie,

Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren,

Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren,
Öffnen die Mädel Fenster und die Türen.

Refrain: ei bloß wegen stra di ram, strara di radi ram,
stra radi radi ram, stra ra di ram.

Wenn im Felde blitzen Bomben und Granaten,
Weinen die Mädel um ihre Soldaten.
Refrain:

Kehren die Soldaten wieder in die Heimat,
Sind ihre Mädel alle schon verheirat'.
Refrain:

Nasses Gras, nasses Gras, auf der grünen Wiese,
Hab' verloren meinen Schatz, werd' ihn suchen müssen.
Such ihn hier, such ihn da, unter diesen allen,
Dieser mit dem roten Kleid, wird mir wohl gefallen.
Dreh dich um, ich kenn dich nicht, Bist du's oder bist du's nicht?
Nein, nein, du bist es nicht, Dreh dich um, ich kenn dich nicht.

Nasses Gras, nasses Gras, auf der grünen Wiese,
Hab' verloren meinen Schatz, werd' ihn suchen müssen.
Such ihn hier, such ihn da, unter diesen allen,
Dieser mit dem roten Kleid, wird mir wohl gefallen.
Dreh dich um, ich kenn dich nicht, Bist du's oder bist du's nicht?
Ja, ja, du bist es wohl, Der mit mir jetzt tanzen soll!

Da droben auf dem Berge, sim si rim si rim,
Da tanzen sieben Zwerge, sim si rim si rim.

Beim Kronenwirt

Beim Kronenwirt da ist heut' Jubel und Tanz,
hai dideldai dideldum.
Die Kathrein die trägt ihren heiligen Kranz,
hai dideldai dideldum.
Die Musik sie spielt und es pfeift und es kracht,
Die Knödel sie dampfen, der Kronenwirt lacht.
Ha didel, ha ha ha ha, hai diedel, ha ha ha
ha, hai didel, ha ha ha ha, hai dideldum.

De reklich Med

Et wor emol en reklich Med,
Am da sich munch en Kniecht amdreht.
Esi weiß wa Meltsch, esi riut wa Blead,
Doch lieder woßtr se et ze geat.
Dat sä um aller heschten wor,
Dat sä um allerheschten wor,
Mh, mh, cha, cha, um allerheschten wor.
E stattlich Pursch, di wul se fran,
Uch sä wul an dich gärn zem Man,
Wel hi e wacker Kont uch fesch;
Doch wä hi se zer Fra dro hesch,
Si stalt se sich als wil se net,
Si stalt se sich, als wil se net.
Hm, hm, cha, cha! Als wil se wärlich net.

"Ach Mottero, ich bleiwen ha,
Net gäw mich schiun dem Misch zer Frä."
"Woräm denn net, tea guldich't meng?
Ir wed det stattlichst Puer jo seng!"
"Ich bän halt doch noch vill ze jang,
Ich bän halt doch noch vill ze jang."
Hm, hm, cha, cha! Se wor noch vill ze jang.

Der Motter wor dat zwor net recht,
Et det er lid am dese Knecht, doch sot se:
"Wä et dir gefällt, te sah die frängdern, dien te wällt,
Ich zwängen dich zea nichem net,
Ich zwängen dich zea nichem net.
Hm, hm, cha, cha! De Motter zwängt se net.

Komm hat de Med des Ried gehirt,
Si wor se necklich ganz bekirt.
Af ist wor de Verställung ous,
Und schniel platzt är det Wirt erous:
"Ach Motter, Motter zwängt mich doch!
Ach Motter, Motter zwängt mich doch!
Hm,hm,cha,cha! Ach Motter zwängt mich doch!"

Es gingen zwei alte Wanderer

Es gingen zwei alte Wanderer, sing fi dra la la la la,
Von einem Ort zum ändern, sing fi dra la la.
Sie stritten um hundert Gulden, sing fi dra la la la la,
Du machst mir nichts als schulden, sing fi dra la la.
Den Korb will ich dir schenken, sing fi dra la la la la,
An eine (n) andere (n) denken, sing fi dra la la.
Mädel an der einen Hand, Korb an der anderen,
So setz ich mir den Hut aufs Ohr,
Und mache mich auf zum Wandern.

Ein Bauer fuhr um Heu

Ein Bauer fuhr um Heu, ein Bauer fuhr um Heu,
Ein Bauer fuhr um Kirmesheu, heißa, heißa, Kirmesheu,
Ein Bauer fuhr um Heu, ja Heu.

Ei Bauer was kost' dein Heu, ei Bauer was kost' dein Heu,
Ei Bauer was kost' dein Kirmesheu? Heißa, heißa, Kirmesheu.
Ei Bauer was kost' dein Heu, ja Heu?

Mein Heu das kost' 'n Kron, mein Heu das kost' 'n Kron.
Mein Heu das kost' 'n Kirmeskron, heißa,heißa, Kirmeskron.
Mein Heu das kost' 'n Kron, ja Kron.

Ei Bauer das ist zu teuer, ei Bauer das ist zu teuer.
Ei Bauer das ist zu Kirmesteuer, heißa, heißa, Kirmesteuer.
Ei Bauer das ist zu teuer, ja teuer.

Der Bauer der nahm die Frau , ...
Die Frau nahm sich das Kind, ...
Das Kind nahm sich die Magd, ...
Die Magd nahm sich den Knecht, ...
Der Knecht nahm sich den Hund, ...
Der Hund nahm sich die Katz, ...
Die Katz nahm sich die Maus, ...
Jetzt drehn sich alle rum, jetzt drehn sich alle rum,
Jetzt drehn sich alle Kirmesrum, heißa, heißa, Kirmesrum,
Jetzt drehn sich alle rum, ja rum.

Jetzt gehen wir nach Haus, jetzt gehen wir nach Haus,
Jetzt gehen wir nach Kirmeshaus, heißa, heißa Kirmeshaus,
Jetzt gehen wir nach Haus, ja Haus.

In den Sommermonaten wurde an den Sonntagnachmittagen oder auch am Abend auf dem "Kircherech"
mit einer Ziehharmonika zum Tanz aufgespielt. Bekannt sind die Ziehharmonikaspieler Bub Orend,
Hans Dörr und Hans Plattner. Wie aus diesem Kapitel ersichtlich, war jeder einzelne in die Gemeinschaft
eingebunden und zwar von der Wiege bis zum Grabe. Er konnte sich auf die Gemeinschaft verlassen,
war aber seinerseits verpflichtet, sich an die Verordnungen dieser Gemeinschaft zu halten.
Es war also ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Das Brauchtum hat wesentlich dazu beigetragen, daß wir Almer Sachsen Rumänien als Deutsche verließen
und so bei der Integration keine größeren Schwierigkeiten hatten.

aus dem „Almer Heimatbuch”


(1272 Wörter in diesem Text)
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